Rauðasandur – Warum die leisen Orte oft die schönsten sind
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Rauðasandur – Warum die leisen Orte oftmals die schönsten sind

Es gibt Orte auf Island, die mir einfach durch ihre schiere Größe oder Gewalt den Atem rauben, wie beispielsweise die Eismassen des Vatnajökull Gletschers oder der tosende Dettifoss Wasserfall im Norden der Insel.

Und dann gibt es auch die leisen Orte, von denen eine ganz andere Faszination ausgeht und die sich einem auch nicht in wenigen Sekunden erschließen. Orte für die man einfach Zeit und Ruhe zum Entdecken braucht.

Rauðasandur in den südlichen Westfjorden (Google Maps) ist für mich aktuell das beste Beispiel. Ein weitläufiger Strand mit rotgoldenem Sand und türkisfarbenem Wasser, eingerahmt von malerischen Steilküsten. Nur zu erreichen über einen kurvigen Bergpass und auch kein typisches Ziel, an dem man sofort an einen bestimmten Punkt gezogen wird. Den Strand muss man sich zu Fuß erarbeiten und das ist je nach Wetter und Gezeiten auch ein unterschiedlich anspruchsvolles Unterfangen.

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Belohnt wird man bei seiner Stranderkundung mit einem atemberaubenden Panorama, zahlreichen Vögeln und nicht selten auch Robben, die auf den Sandbänken in der Sonne liegen. Bei gutem Wetter hat man freie Sicht auf die Halbinsel Snæfellsnes, an deren westlichen Ende der mächtige Vulkan Snæfellsjökull thront. Die leicht rötliche Färbung des Sandes ist zwar etwas Besonderes in Island, aber für mich nicht das eigentliche Highlight und von der Wirkung zudem auch stark vom Wetter abhängig. Es ist vielmehr das harmonische Zusammenspiel aus allem: Feine und weichgewaschene Texturen im Sand, wunderschöne Farbschichten aus Wasser, Sand, Wolken und Himmel, die interessante Tierwelt sowie auch einfach die Abgeschiedenheit und Ruhe selbst.

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

 

Hier gibt es neben einer kleinen islandtypischen Holzkirche nur eine Hand voll Bauernhöfe und ein kleines Café, welches in den Sommermonaten geöffnet hat. Am östlichen Ende stolpert man über einen einfachen Campingplatz, der unmittelbar an den Strand anschließt. Ohne offensichtliches Schild und Vorwarnung dachte ich erst an eine Fata Morgana… Ich kenne kaum einen Campingplatz mit solch einem atemberaubenden Panorama. Die rote Schaukel auf der saftig grünen Wiese wirkte hier beinahe wie eine Kunstinstallation. Wer sich hier ein wenig länger niederlassen möchte, sollte seine Vorräte im 35km entfernten Patreksfjörður aufstocken.

Vor meinem ersten Trip nach Rauðasandur habe ich einige sehr unterschiedliche Reiseberichte gelesen und war erst nicht sicher, ob sich der kleine Umweg lohnt. Zudem waren wir damals noch mit dem denkbar ungünstigsten Auto unterwegs … Aber nach dem Überwinden der letzten Serpentine und freier Sicht auf die Bucht war mir klar, dass es sich definitiv gelohnt hat und das es auch nicht die erste und letzte Fahrt hierhin sein wird. Aber auch ohne die neugierigen Robben, den roten Sand und den Blick auf Snæfellsnes hat der Ort eine besondere Wirkung auf mich. Das Gefühl ist dabei relativ losgelöst von Island, als wäre es ein unentdeckter Ort… Aber das macht das Reisen ja am Ende auch so spannend: Jeder erlebt den gleichen Ort auf eine andere Weise und Island mischt mit seinem unberechenbaren Wetter noch eine große Prise Zufall dazu …

Weitere Impressionen:

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Der Strand Rauðasandur (Westfjorde, Island)

Persönlicher Soundtrack:  Das Album „Things We Lost In The Fire“ von Low.


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