Was ist ein Digitaler Nomade? Meine persönliche Definition
Blog Digitales Nomadentum & Selbstständigkeit

Was ist ein Digitaler Nomade? Meine persönliche Definition

Es ist an der Zeit, einmal näher auf den Begriff „Digitaler Nomade“ einzugehen und was ich persönlich darunter verstehe und was nicht.

Mittlerweile stolpert man quer durch alle Medien über diese Bezeichnung und viele Artikel wollen einen ermutigen, ein digitaler Nomade zu werden. Doch kann man das überhaupt einfach so und was macht ein digitaler Nomade den ganzen Tag? — Ich bin kein großer Fan von Schubladen-Bezeichnungen und brauche das für mich persönlich auch nicht. Da ich mit diesem Blog aber gefunden werden möchte, verwende ich die Bezeichnung natürlich bewusst und daher liegt mir auch viel daran, mich an einer kleinen Definition zu versuchen.

Für mich besteht die wesentliche Zutat des digitalen Nomadenlebens in der Möglichkeit, den eigenen Job weitgehend oder vollkommen ortsunabhängig ausüben zu können und das beinahe ausschließlich durch die Hilfe digitaler Technologien.

Das Internet ist von essentieller Bedeutung und die Orte an denen man sein Laptop aufklappt, werden nach WLAN-Verfügbarkeit und Datenübertragungsrate ausgesucht: Vom gemütlichen Café ums Eck über die repräsentative Hotel-Lobby bis hin zum kreativ-chaotischen Coworking Space. Aber für mich hört das digitale Nomadendasein auch nicht auf, wenn man lieber zu Hause oder in seinem Garten sitzt. Die (beinahe) komplett freie Ortswahl macht ja gerade den Charme aus – einfach an seinem Lieblingsplatz zu sitzen oder eben dort, wo man am produktivsten seiner Arbeit nachgehen kann.

Ein digitaler Nomade muss allerdings nicht permanent unterwegs sein und ferne Länder bereisen.

Auf die wenigsten trifft das zu, da Reisen auch ganz neue Herausforderungen mit sich bringt – finanzieller, persönlicher und organisatorischer Natur. Darüber hinaus verspürt natürlich auch nicht jeder die gleiche Leidenschaft zum Reisen oder ist beispielsweise durch Familie und Kinder nicht so flexibel. Allerdings ist das Wort „Nomade“ an dieser Stelle auch ein wenig irreführend, da der Kontext seiner ursprünglichen Verwendung ein etwas anderer war. Hier bezogen sich Tsugio Makimoto und David Manners in ihrem 1997 erschienenen Buch „Digital Nomad“ eher auf das Berufsbild des Managers, der im Auftrag von Großkonzernen berufsbedingt um die Welt reist.

Mit dem Wohnwagen durch Island

Ich selber reise regelmäßig (→ Reiseberichte & Tipps) und bin einfach gerne unterwegs – zudem gehört das Reisen mittlerweile fest zu meinem Beruf als Fotograf, mit dem klaren Schwerpunkt auf nordischen Landschaften. Ich bin aber auch gerne in Deutschland und in der Nähe von Familie und Freunden, denn so ganz ohne „Heimatbasis“ kann und will ich auch nicht sein.

Für mich ist ein digitaler Nomade eigentlich automatisch ein Selbstständiger bzw. Freelancer.

Ich kenne kaum Ausnahmen, bei denen ein fester Arbeitsvertrag eine solch freie Form der Arbeitsweise und Zeiteinteilung ermöglichen würde. Große Unternehmen lagern zwar mittlerweile gerne einzelne Abteilungen in Coworking Spaces aus, doch ist man dann immer noch gewissermaßen fremdbestimmt dieser Entscheidung unterworfen und oftmals findet auch nur der übliche Austausch innerhalb des Teams statt.

Die meisten digitalen Nomaden verdienen ihr Haupteinkommen durch Design, Programmierung, Suchmaschinenoptimierung, Fotografie, Texten, Bloggen und Online-Marketing. Aber es gibt auch eine ständig wachsende Anzahl an traditionellen Berufen, die ihre Tätigkeit mittlerweile online ausüben – wie beispielsweise einige Unternehmensberater oder Coaches. Alle Berufe und Tätigkeiten haben aber eines gemeinsam: Digitale Technologien dominieren den Arbeitsalltag. Von skype für Videokonferenzen über webbasierte Projektmanagement-Tools bis hin zu einer Vielzahl an täglichen Helfern in Form Apps auf dem Smartphone oder Tablet. Das wird eben auch manchmal zum Problem, denn nicht jedes Land ist für sein schnelles WLAN oder stabiles Mobilfunknetz bekannt …

Unterm Strich kann also nicht jeder mit jedem Beruf ein digitaler Nomade werden und schon gar nicht über Nacht mit Hilfe irgendeines 10-Punkte-Ratgebers.

Das Ganze sollte eher ein gut geplanter und langsamer Prozess sein, sonst kann einen das auch schnell überfordern. Und viel wichtiger: So kann man gut selbst herausfinden, ob das Leben als digitaler Nomade überhaupt zu einem passt oder wo man seine persönlichen Schwerpunkte setzen möchte.

Ich habe zu Beginn meine Kunden im Bereich Grafik- und Webdesign auch überwiegend regional betreut und akquiriert und habe über die Jahre immer mehr eine ortsunabhängige Arbeitsweise eingeschlagen, was mit vielen Kunden aber keinesfalls auf Anhieb so geklappt hätte. Besonders in der Anfangsphase einer Kundenbeziehung ist der persönliche Kontakt sehr wichtig und sollte nicht unterschätzt werden, da hier viel Vertrauen aufgebaut werden kann. Nach einer gewissen Einspielzeit kann man sich dann auch ein wenig zurückziehen und mehr auf digitale Kommunikation setzen.

Auf alle Fälle bin ich wahnsinnig dankbar und glücklich über die Möglichkeiten, meinen Job mit auf die Reise nehmen zu können und das motiviert mich auch jeden Tag aufs Neue – vor allem mit einer Aussicht wie dieser … 

Als Selbstständiger die Zeit für eigene Projekte finden

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