Als Selbstständiger die Zeit für eigene Projekte finden
Blog Digitales Nomadentum & Selbstständigkeit

Wie finde ich als Selbstständiger Zeit für eigene Projekte?

In den letzten Jahren bestand eine meiner größten Herausforderungen darin, mir Zeit und Raum für eigene Ideen und Projekte freizuräumen.

Ich hatte über die Jahre zahlreiche Ideen gesammelt und sogar relativ weit ausformuliert, aber neben meinen Kundenprojekten und dem ganz normalen Alltag habe ich nur ein Bruchteil davon wirklich konsequent weiterverfolgt.

Das größte Problem hatte ich damit, unter der Woche und zu „normalen“ Bürozeiten für meine eigenen Projekte zu arbeiten. Diese Zeit war in meinem Kopf irgendwie für meine Kunden reserviert – für Projekte, bei denen ich in meiner Zeiterfassung einen Eintrag erstellen konnte und den ich am Ende des Monats mit sicherer Gewissheit auch abrechnen konnte. Es war dennoch nicht der finanzielle Druck, der mich davon abhielt, sondern vielmehr eine Blockade in meinem Kopf.

Ich musste für mich die Einstellung finden, dass ich selbst auch mein eigener Kunde sein kann und das ich vor allem mein wichtigster Kunde sein darf!

Ich hatte abends zwar oftmals noch die Motivation an meinen Ideen zu arbeiten, aber meistens fehlte dann doch die Konzentration und Kraft. Abends lassen sich dann doch keine Bäume mehr ausreißen, wenn man den ganzen Tag schon ähnliche Dinge für seine Kunden gemacht hat. Es fühlte sich dann doch meistens wie ein weiteres Kundenprojekt an und nicht wie eine persönliche Leidenschaft.

Campingplatz Tungudalur in Ísafjörður, Island

Meine wertvollsten Erfahrungen hatte ich im letzten Jahr sammeln könnten, als ich knapp 6 Monate mit dem Wohnwagen in gemütlichem Tempo rund um Island gereist bin (→ Reisebericht). Dort habe ich wahnsinnig viel Zeit in eigene Ideen gesteckt und vieles davon ohne ausufernden Perfektionismus auch direkt umgesetzt und vorangebracht. Sei es mein kleiner Online-Shop für Lightroom-Presets, meine digitale Web-Visitenkarte oder eine knapp vierstellige Anzahl an Stock-Fotos und digitaler Produkte für meinen Creative Market-Store. Ich habe noch nie zuvor so viele Dinge in so kurzer Zeit realisiert und das lag nicht nur an den langen Sommertagen, sondern vielmehr an einer Veränderung meiner Einstellung zu dem ganzen Thema.

Ich habe gemerkt, dass meine eigenen Projekte die gleiche Zuwendung benötigen, die auch meine Kunden von mir erwarten und bekommen. Das lässt sich nicht in der Mittagspause kurz zusammenklicken, sondern hier brauche ich wirklich Ruhe und vor allem den nötigen Freiraum in meinem Kalender und in meinem Kopf. Und das wiederum geht nur, wenn man lernt auch einmal „Nein“ zu sagen: Nein zu neuen Projekten oder utopischen Deadlines und vor allem Nein zu Projekten, die einfach nicht zu einem passen und einen auf lange Sicht sogar motivationstechnisch ausbluten lassen.

Mobiles Büro im Wohnwagen in Island

Ich habe in Island gelernt, dass ich mich am Ende des Tages gut fühlen kann, auch wenn vielleicht nur zwei abrechnungsfähige Stunden in meiner Zeiterfassung stehen. Die anderen Stunden habe ich aber in Dinge investiert, die mir Freude gemacht haben und die mich mittel- und langfristig weiter bringen werden. Und nicht selten habe ich dadurch sogar einen Teil meiner Motivation zurückbekommen, die in den letzten Jahren durch routinierte Kundenjobs teilweise ein wenig verloren gegangen ist. Das war dennoch kein Sabbatical, sondern einfach eine gesunde Mischung aus Zeit für eigene Projekte und Zeit für meine Kunden und Akquise.

Ich war in diesen Monaten sehr viel alleine unterwegs und das Alleinsein kann in solchen Phasen ein großartiger Verbündeter sein. Ich hatte keinerlei Verpflichtungen, denen ich nachkommen musste und in meinem Kalender herrschte gähnende Leere, was ich in dieser Zeit aber als absolut befreiend empfand. So konnte ich in jeden neuen Tag hineinstolpern und schauen, mit was ich heute anfange. Erst einige Stunden mit der Kamera durch die Natur toben und dann an der Kunden-Website weiterarbeiten oder auch einfach mal einen ganzen Tag konzentriert an einem eigenen Projekt arbeiten.

Dabei sollte man natürlich eine Gewisse Portion an Selbstdisziplin und Erfahrung mitbringen, damit am Ende keine Kundenprojekte anbrennen oder plötzlich wirklicher Stress aufkommt, da man eine Deadline vollkommen ausgereizt hat … Das habe ich aber meistens sehr gut im Griff, da ich vor allem auf Reisen immer doppelt dankbar für meine ortsunabhängige Arbeit bin und dementsprechend auch keinerlei grundsätzliche Probleme habe, mich zur Arbeit zu motivieren. Es fühlt sich wahnsinnig gut an, in seinem Lieblingsland zu sitzen und sich mit einer überschaubaren Anzahl von Stunden Arbeit den Tag und die Lebenshaltungskosten zu „finanzieren“. Für mich ist das eine sehr direkte Form der Währung und auch einer der wesentlichsten Aspekte des digitalen Nomadentums.

Mit dem Wohnwagen durch Island

Diese Zeilen schreibe ich nun mit einer Tasse Kaffee in der Hand an einem Freitagmorgen um 11 Uhr und das (beinahe vollkommen) ohne Hast oder innere Unruhe. Das klappt vor allem deshalb so gut, da ich momentan genau die richtige Anzahl an Kunden und Projekten habe, die mir ausreichend Freiraum für meinen Blog und andere Ideen geben.

Man vergisst oftmals so schnell, dass eigene Projekte die wertvollste Investition in unsere berufliche und persönliche Zukunft sein können. Daher ist es so unendlich wichtig, dass wir nicht permanent jeden neuen Auftrag annehmen und uns konstant in diesem „Immer-Beschäftigt-Modus“ befinden, der keinerlei Raum zum Atmen lässt. Jeder muss am Ende des Tages selbst nach seinen beruflichen Wünschen und Bedürfnissen schauen und diese auch wirklich ernst nehmen.

Denn kein Kunde überlegt sich sorgfältig, ob diese oder jene Aufgabe persönlich zu einem passt und einen beruflich weiter bringt – das können und müssen wir selbst entscheiden!


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  1. Schön geschrieben und auf den Punkt gebracht!
    So langsam sollte ich mir auch mal was eigenes suchen und beginnen. Denn eigentlich könnte man ja schön bei ca. 3 verplanten Kundenprojekttagen die Woche abschließen und nix weiter noch einfügen. Aber was macht man, wenn eine Anfrage kommt… Man nimmt sie an, weil man hat ja „eigentlich“ noch 2 Tage übrig hat… Noch ist es aber ok, zumal die Projekte alle halbwegs Spaß machen und das private Projekt „Nachwuchs“ doch zeitintensiver ist als gedacht. Aber dennoch sehr motivierend bzgl. Job etwas umzudenken.

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