Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)
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Island aus der Vogelperspektive

Ein ausgedehnter Rundflug über Island – das war seit meinem ersten Besuch auf der Insel ein kleiner Traum von mir, den ich mir im September 2013 dann endlich auch erfüllen konnte. Und wie so oft, schaffte das kleine Land meine Erwartungen sogar noch zu übertreffen. Das lag nicht nur an der atemberaubenden Landschaft unter mir, sondern auch an der sympatischen Airline Eagle Air aus Reykjavík.

Ich hatte aus Budgetgründen eigentlich einen normalen Rundflug gebucht und die Gruppe bestand aus zwei weiteren Personen und mir. Der Flug sollte an einem schönen und überraschend sonnigen Tag Ende September stattfinden. Drei Stunden vor geplantem Abflug rief mich allerdings die Airline an und wollte absagen, da die beiden anderen Passagiere storniert hatten und sich der Flug daher finanziell nicht lohnen würde. Aber ich erkannte darin auch eine Chance und fing eine Verhandlung an, zu welchem Preis man dennoch fliegen würde, wenn ich dabei auch ein Fenster zum Fotografieren öffnen dürfe. Das ist in der Regel nur den deutlich teureren Fotografen-Flügen vorbehalten, die man gesondert anbietet. Das wusste ich zwar, aber fragen kostete ja nichts … Eine gefühlte Ewigkeit lauschte ich am Telefon wilden Diskussionen auf isländisch und am Ende hatte ich tatsächlich einen sagenhaft fairen Preis angeboten bekommen.

Auf dem Weg zum Flughafen vergaß ich vor lauter Euphorie leider einiges an Foto-Equipment und vor allem auch meine Handschuhe, was sich später als eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände herausstellen sollte …

Am kleinen Stadtflughafen in Reykjavík erschien nach einer kleinen Wartezeit dann ein junger und gut gelaunter Pilot mit der typisch isländischen Gelassenheit und lotste mich erst einmal zu einer großen Karte. „Wo willst du denn hinfliegen?!“ war die Frage, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich zeigte spontan auf diverse Gletscher, Seen und Küstenabschnitte. „No Problem“ hieß es und es ging aufs Rollfeld zur fünf-sitzigen Cessna 185.

Er wusste aber wohl nichts von meinem fotografischen Vorhaben und daher tauschten wir kurzerhand noch die Sitzplätze, da auf Copiloten-Seite das Fenster nicht weit genug zu öffnen ging. Er meinte dann nur trocken, er habe noch nie einen Start von Copiloten-Seite durchgeführt, aber das wird sicher schon klappen. Ich solle bitte nur nichts mit meinen Knien drücken oder irritiert sein, wenn er ab und zu auf meiner Seite etwas bedienen muss, da nicht alle Instrumente auf beiden Seiten gleich wären. Sein wichtigster Ausrüstungsgegenstand der auf dem Boden blieb, war seine Jacke – aber das wusste er zu dem Zeitpunkt noch nicht 🙂

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Das Fenster blieb nicht lange geschlossen und es öffnete sich vor allem auch mit einer solchen Wucht, als ob es nie wieder zugehen wolle … 

Ich kam anfangs aus dem Staunen nicht heraus und fotografierte im Dauerfeuer aus dem Fenster nach unten. Oftmals vergaß ich dabei sogar für längere Zeit nach vorne zu schauen, bis mein Nacken schmerzte und meine Finger sich vor Kälte verkrampften.

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

 

Es zogen Orte wie der Þingvellir Nationalpark unter mir vorbei und wichen abstrakten Strukturen und Texturen von Sand und Wasser, bis dann auch die ersten Gletscher in monochromen Farben auftauchten. Wir flogen über die Gletscher Langjökull in Richtung Tindfjallajökull und Eyjafjallajökull und dabei natürlich auch über eines der abstraktesten Gebiete Islands: Landmannalaugar. Diese vulkanische aktive Ecke mit ihren bunten Hügeln und exotischen Gesteinsformationen sieht auch auf dem Boden aus wie ein anderer Planet, aber von oben ist es einfach noch eine Stufe unbeschreiblicher.

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

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Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

 

Der erste Schnee war schon gefallen und bedeckte die Gipfel und auch im Flugzeug wurde es immer kälter, was besonders für den (immer noch gut gelaunten) Piloten langsam unangenehm wurde. Aber als echter Isländer bliebt die Sonnenbrille weiterhin auf der Nase und er genoss den Flug mindestens ebenso und erzählte nebenbei viel von seiner Band und wie sehr es den Job als Pilot liebt.

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Auf Höhe der Stadt Selfoss wurde es dann rasch dunkel und erst dann realisierte ich voller Überraschung, dass wir mittlerweile schon über zwei Stunden in der Luft waren. Angekündigt waren ca. 1,5 Stunden inklusive Start und Landung.

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Wir hatten mehrere Runde über dem Plateaugletscher Mýrdalsjökull gedreht, weil das Spiel aus Abendsonne und Schatten dort besonders eindrucksvoll war und das zudem auch sein persönliches Lieblingsgebiet zu sein schien. Die nächsten 15 Minuten verbrachten wir mit schier endlosen Versuchen, mein Fenster zu schließen, was fünf Minuten vor Landung dann auch gelang. Ich bedankte mich euphorisch, hundemüde und mit halb-gefrorenen Fingern und brauchte eine ganze Weile, die gesammelten Eindrücke auch nur halbwegs zu verarbeiten. Ich schoss knapp 1.000 Bilder, von denen ich 80% aufgrund von Unschärfe relativ schnell aussortieren konnte.

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

Es war ein wirklich großartiges Erlebnis, so viele Orte aus einer neuer Perspektive zu entdecken und manche Gegenden waren einfach nicht wiederzuerkennen. Teilweise konnte ich nur mit Hilfe einer Karte und dem Zeitstempel der Fotos die Route (halbwegs) rekonstruieren:

Ich kann Eagle Air wirklich jedem empfehlen – auch wenn die Preise seit 2013 leider auch deutlich angestiegen sind. Daneben gibt es aber auch noch andere Firmen wie beispielsweise Myflug Air, die neben regulären Charterflügen im Inland ebenfalls Sightseeing-Flüge anbieten und das je nach Verfügbarkeit auch ab Akureyri.

Island aus der Vogelperspektive (Fotoserie)

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