Islands kreative Musikszene – so vielseitig wie die Landschaft
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Islands Musikszene – so vielseitig wie die Landschaft

Island ist für mich nicht nur aufgrund der Gletscher, Wasserfälle und Geysire so spannend, sondern auch die musikalische Landschaft habe ich mittlerweile fest in mein Herz geschlossen.

Wie auch die Natur hat die Musikszene etwas Einzigartiges und manch einer wird überrascht sein, wie viele gute Bands sich auf dieser kleinen Insel mit nur 320.000 Einwohnern tummeln, die nicht Sigur Rós, Múm oder Björk heißen. Das liegt zum einen auch daran, dass viele Künstler gleich in mehreren Bands spielen, aber zum anderen hat Musik in Island einfach einen sehr hohen gesellschaftlichen Stellenwert und die allermeisten Kinder und Jugendlichen lernen schon früh ein Instrument zu spielen. In Island kopiert man sich nicht gegenseitig und versucht auch nicht so zu klingen, wie eine bereits erfolgreiche Band, sondern man entwickelt seinen eigenen Stil und macht einfach ehrliche Musik.

Diese Authentizität spürt man sehr deutlich und mich hat es 2011 so richtig infiziert, als ich mit ein paar Freunden zum ersten Mal das Iceland Airwaves Festival in Reykjavík besuchte. Ich war zuvor noch auf keinem Musikfestival, auf dem ich vorher so wenige Interpreten kannte (nicht einmal vom Namen) und kam damals gerade mal auf eine gute Hand voll. Es spielte glücklicherweise keine Rolle und ich erfuhr sehr schnell, dass man sich hier am besten einfach durch den Abend treiben lässt und dabei wenig falsch machen kann, sondern eigentlich nur sehr viele positive Überraschungen erleben wird – und das auch in Genres, die einem sonst vielleicht nicht so liegen.

Über insgesamt vier Tage spielen ungefähr 150 isländische Bands, Solokünstler und DJs, neben einer kleinen aber feinen Auswahl an Gästen aus dem Ausland. Große Headliner gibt es hier keine und das ist auch Teil des entspannten und eher gemütlichen Konzeptes. Bereits erfolgreiche Bands wie Sigur Rós oder Björk gibt es ebenfalls nur als Zusatzkonzert zu sehen und sind nicht teil des offiziellen Programms.

Die Konzerte finden dabei an einer Vielzahl unterschiedlicher Orte statt: Von kleinen und intimen Bars, über das Kunstmuseum bis hin zum modernen Konzert- und Konferenzhaus Harpa, mit großen Hallen und beeindruckender Akustik. Tagsüber spielen die Bands kostenlose „Mini-Konzerte“ quer in der Stadt verteilt und so kommt man selbst ohne eines der ungefähr 2.000 Festival-Tickets in den Genuss guter Musik. Mit etwas Glück kann man also seine Bahnen in einem der schönen Schwimmbäder ziehen und am Rand sitzt ein bärtiger Mann mit Gitarre oder man lauscht bei einer gemütlichen Tasse Kaffee und Kuchen der bezaubernden Stimme von Sóley.

Sóley im Eymundsson Buchladen während des Iceland Airwaves 2011
Sóley im Eymundsson Buchladen während des Iceland Airwaves 2011 (Foto: Johannes Martin; Lizenz: CC BY-ND 2.0)

Das Festival ist in Island mittlerweile das wichtigste musikalische Ereignis des Jahres und gleichzeitig auch die größte Bühne für isländische Künstler, ihr Talent zu präsentieren. Nicht wenige Bands wurden dort von der ausländischen Musikindustrie entdeckt und sind nun auch weit über die Landesgrenzen hinweg bekannt und touren nun durch Europa oder Nordamerika. Die Indie-Folk-Band Of Monsters and Men ist hier sicher ein gutes Beispiel der letzten Jahre und vor allem ihr Song „Little Talks“ lief damals auch in Deutschland das Radio rauf und runter.

Am spannendsten bleibt für mich aber die Bandbreite an Genres und Stimmungen, die Island zu bieten hat. Das gibt gepaart mit der angstfreien „Einfach machen“-Mentalität eine absolut kreative und außergewöhnliche Musikszene.

Da wäre Ólafur Arnalds mit seinen Kompositionen, die sich zwischen klassischer und elektronischer Musik bewegen oder die „Viking-Metal“-Gruppe Skálmöld, die traditionelle Volksmusik mit Metal-Elementen kombinieren. Aber dann gibt es auch Kaleo, die einfach nach gutem amerikanischen Indie-Rock klingen oder die überaus vielseitig talentierte Sängerin und Komponistin Emiliana Torrini. Zum Feiern gibt es ebenfalls die passende Untermalung, wie FM Belfast oder GusGus schon oft eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Und auch das isländische Sinfonieorchester (Sinfóníuhljómsveit Íslands) gehört zu einem der besten auf den nördlichen Breitengraden, was bei der Landesgröße mehr als bemerkenswert ist. Es zählt momentan knapp 100 in Vollzeit angestellte Musiker und hat im Konzert- und Konferenzhaus Harpa seine Basis, welches auch allein unter architektonischen Gesichtspunkten schon einen Besuch wert ist.

Ólafur Arnalds und das Isländische Sinfonieorchester
Ólafur Arnalds und das Isländische Sinfonieorchester (Foto: Oliver Wolf; Lizenz: CC BY 2.0)

Ja, es ist wirklich für jeden Musikgeschmack etwas dabei und ich kann nur empfehlen, sich das Iceland Airwaves Festival einmal näher anzusehen, das sich auch prima mit einem kleinen Island-Urlaub in der Nebensaison verbinden lässt. Ebenfalls einen schönen Einblick gibt das Projekt „Soundtracking : Iceland“ von zwei wundervollen Hamburgern, die über ein halbes Jahr hinweg die isländische Musikszene mit Hilfe von Videos, Interviews, Fotos und selbstverständlich Musik dokumentiert haben.

Zum Abschluss auch noch ein kleiner Verweis auf die internationale Website Iceland Music Export (IMX), die einen recht vollständigen Überblick über Islands musikalische Talente gibt. Und auch die englischsprachige Musik-Dokumentation „Iceland: Beyond Sigur Ros“ lohnt einen Blick:

Titelfoto: Madeline Jost, Soundtracking : Iceland (The Diversion Sessions bei Sofar Sounds:Reykjavík)


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