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Mit der Fähre von Dänemark nach Island – Mein Erfahrungsbericht

Mit der Fähre nach Island

Vor wenigen Tagen bin ich von der M/S Norröna gerollt und solange die teilweise leicht schlaflosen Erinnerungen an die knapp dreitägige Überfahrt noch frisch sind, schreibt es sich am besten. Insgesamt war dies meine dritte Reise vom dänischen Hirtshals über die Färöer Inseln nach Seyðisfjörður im Osten Islands und wieder zurück.

Am Passagier- und Frachtschiff der dänischen Fährgesellschaft Smyril Line hat sich über die letzten Jahre neben ein paar Modernisierungen und Fahrplanveränderungen nicht dramatisch viel getan. Deutlich spürbar haben sich aber die Passagiere an Bord verändert, da mittlerweile immer mehr Busunternehmen die Fährroute als nordatlantische Kaffeefahrt mit in ihr Programm aufgenommen haben. Die meiste Zeit der knapp 3 Tage dauernden Überfahrt von Dänemark nach Island verbringen die Menschen an Bord, nur um dann bei einem kurzen Stopp auf den Färöern hastig ein paar Runden mit dem Bus zu drehen und dasselbe in Island noch einmal zu wiederholen.

Ja, die Fähre ist in den letzten Jahren generell deutlich voller geworden und die Buchung sollte man daher auch nicht zu kurzfristig tätigen – vor allem, wenn man ein paar Zentimeter mehr in der Länge oder Höhe braucht. Insgesamt ist es aber doch ein sehr bunter Mix an Reisenden in nagelneuen Expeditionsmobilen, Färinger und Isländer auf Shopping-Tour, Auswanderer auf Jobsuche oder ganz normale Urlauber im vollgepackten Kombi. Und deutsche Kennzeichnen dominieren neben Island und den Färöern ganz klar das Autodeck. An Altersgruppen ist ebenfalls so ziemlich alles vertreten und die netten Gespräche über Reisepläne und Fahrzeugtechnik beginnen meist schon auf dem Parkplatz vor den Toren des Fährterminals. Man sollte hier definitiv ausreichend zeitlichen Puffer einbauen, denn wer die M/S Norröna verpasst, sieht sie erst in sieben Tagen wieder am Dock …

M/S Norröna

Daten & Fakten zum Schiff:

Baujahr: 2003, Flender Werft AG, Lübeck
Gesamtlänge: 165,74m
Reisegeschwindigkeit: 21 Knoten
Hauptmaschinen: 30.000 PS
Passagierkapazität: 1.482
Frachtkapazität: 3.250 Tonnen
Laderaum: 800 PKW oder 130 Trailer
Aktuelle Position: MarineTraffic-Website

Irgendwie habe ich die M/S Norröna in mein Herz geschlossen, auch wenn ich über die drei Nächte an Bord eher selten zu einer gesunden Summe an Schlaf komme. Es ist irgendwie auch ein ehrliches Schiff, was überraschend viel Komfort bietet und dennoch nicht mehr sein möchte, als es ist. Am meisten schätze ich allerdings die entschleunigte und gemütliche Art des Reisens auf See. In Flugzeugen fühle ich mich generell nicht wohl und oftmals wird man auch einfach zu jäh aus einem schönen Ort herausgerissen und befindet sich plötzlich wieder inmitten dem Gedränge und Lärm eines internationalen Flughafens …

Ich finde es entspannend und auch irgendwie richtig, wenn man drei Tage auf dem Meer herumschippert und somit ein echtes Gefühl für die Distanz und Abgeschiedenheit dieses Landes bekommt.

Und wenn dann irgendwann die schneebedeckten Berge Islands am Horizont auftauchen, ist das ein großartiges Gefühl. Jedes Mal aufs Neue. Mein persönliches Highlight ist allerdings die Durchfahrt durch die Färöer Inseln.

Pyramidenförmige Berge auf den Färöer Inseln

Das Wetter legt sich dort fast immer mit leichtem Sturm, Schnee oder Regen dramatisch ins Zeug und die zahlreichen und teils pyramidenförmigen Berge ergeben ein großartiges Panorama – zusammen mit dem einen oder anderen Wasserfall und kleinen Küstenort.

Torshavn auf den Färöern

Auch die bunte Hauptstadt Tórshavn mit ihren knapp 20.000 Einwohnern ist definitiv ein Besuch wert und man stolpert mehr oder weniger direkt aus dem Schiff in das Herz der kleinen Stadt. Generell ist die gesamte Inselgruppe ein Besuch wert und ich erinnere mich gerne an meinen einwöchigen Urlaub im Jahr 2012, zu dem es hier eine Fotoserie gibt. Dramatische Steilküsten, imposante Wasserfälle und malerische Fischerdörfer erwarten einen auf insgesamt 18 Insel.

Zurück auf der Fähre, ist der letzte Abschnitt von Tórshavn nach Seyðisfjörður der kürzere. Die Zeit vertreiben kann man sich auf der Fähre vor allem mit Essen und Trinken in mehreren Restaurants sowie Cafés und Bars. Besonders hervorzuheben ist das reichhaltige und leckere Frühstücksbuffet, welches aber besonders am frühen Morgen von einer wartenden Menschenmenge in Buffet-Panik schlichtweg überrollt wird. Hier empfiehlt sich, etwas später zu erscheinen und dann kann man das Ganze auch wirklich genießen. Ansonsten gibt es auch ein gutes Abendbuffet, Essen ala Carte oder kleine Snacks zu vertretbaren Preisen. So ist eigentlich für jeden Hunger und jeden Geldbeutel etwas dabei.

M/S Norröna Buffet

Zum Verdauen kann man sich dann entweder auf dem Schiff verlaufen (was mir immer noch gerne passiert) oder es sich auf dem Sky Deck gemütlich machen. Dort gibt es überdachte und beheizte Bereiche für Raucher und Nichtraucher sowie eine kleine Bar und besonders zur späten Stunde geht es hier dank dem färingischen „Føroya Bjór“ relativ feucht-fröhlich zu … Ausgiebig shoppen kann man im Tax Free Shop und ansonsten gibt es neben einem kleinen Kino auch Kinderprogramm bzw. eine Spielecke, einen Fitnessraum und Hot Tubs auf dem Außendeck.

Auf dem Deck der M/S Norröna

Vom Standard und Angebot darf man hier kein modernes Kreuzfahrtschiff erwarten, aber man kann sich die Zeit gut vertreiben und die freundliche und motivierte Crew ist stets bemüht, dass alles funktioniert. Besonders positiv überrascht hat mich zudem die Live-Musik im Saga Café, die es an den meisten Abenden zu hören gibt.

Bei der Kabinenwahl hat man diverse Möglichkeiten zur Auswahl und für diese Entscheidung sollte man sich auch am meisten Zeit lassen – denn hier steigt mit jedem zusätzlich investierten Euro auch die Chance, tatsächlich etwas Schlaf zu bekommen. Die günstigste Kategorie sind so genannte Couchettes, die lediglich nur bequem klingen … Hier schläft man mit 6-9 anderen Reisenden in einem kleinen Raum auf mehreren Stockbetten. Bettzeug oder Schlafsack muss man sich hier selbst mitbringen und Duschen sowie Toiletten befinden sich auf dem Gang. Der Sache habe ich insgesamt zwei Chancen gegeben, werde das aber kein weiteres Mal wiederholen. Wer schläft wie ein Stein und sich von vielseitigen menschen- und maschinengemachten Geräuschen nicht aus der Ruhe bringen lässt, der kann hier sein Glück aber durchaus versuchen.

M/S Norröna - Couchettes
Couchettes

Ein wenig Glück braucht man auch, wenn man sich einen Schlafplatz in einer 4-Bett Innen- oder Außenkabine bucht, welche vergleichsweise geräumig und gut ausgestattet sind. Die Zimmer verfügen jeweils über zwei Hochbetten, einem Badezimmer samt Dusche, einem kleinen Fernseher und einem Kleiderschrank. Bettwäsche und Handtücher werden in dieser Kategorie gestellt und müssen nicht mit an Bord gebracht werden. Hier hatte ich statistisch den besten Schlaferfolg, aber auch hier sollte man nicht zu empfindlich sein, was die Geräuschkulisse angeht.

M/S Norröna - 4er Kabinen
4-Bett Innenkabine

Wer ein wenig mehr Privatsphäre sucht, kann sich für die Überfahrt auch eine Einzelkabine mit Doppelbett buchen. Darüber hinaus gibt es neben Luxuskabinen und einer Suite auch komfortable Familienkabinen, die aus zwei verbundenen Zimmern bestehen. Wenn das Schiff ausgebucht ist, lässt sich an Bord am eigenen Schlaf-Schicksal auch nicht mehr viel verändern, da keine Verlegung mehr möglich ist. An Bord der M/S Norröna stehen insgesamt 318 Kabinen und über 300 Liegen für eine maximale Anzahl von 1.428 Passagieren zur Verfügung.

Mit der gesamten Crew habe ich eigentlich ausnahmslos positive Erfahrungen gemacht – den allermeisten scheint ihr Job richtig Spaß zu machen und das spürt man.

Auch auf dem Autodeck, wo es beim Be- und Entladen manchmal etwas hektisch zugeht, ist eigentlich immer jemand in der Nähe der einen beim Einweisen unterstützen kann. Insgesamt ist es ein sehr eingespieltes Team und an viele Gesichter erinnere mich auch immer wieder (und auch andersrum). Reisende mit Wohnwagen sollten vorher ein wenig Rückwärtsfahren üben, denn meistens muss man auf Deck wenden und rückwärts manövrieren. Die Autodecks sind während der Fahrt aus Sicherheitsgründen gesperrt und nur auf den Färöer Inseln für die jeweilige Dauer des Zwischenstopps zugänglich. Daher vorher gut überlegen, was man mit an Bord nimmt.

Autodeck auf der M/S Norröna

Es lohnt sich durchaus, den Newsletter von Smyril Line zu abonnieren, da es immer wieder interessante Spezialangebote gibt – vor allem für Reisende mit eigenem Fahrzeug in der Nebensaison. Beispielsweise habe ich so im Oktober gegenüber der Hinfahrt im April knapp 50% sparen können.

Die Hauptreisesaison reicht mittlerweile deutlich in den Frühling beziehungsweise Herbst und die größte Fahrplanveränderung betrifft die Wintermonate: Ab sofort ist es auch möglich, eine Überfahrt zwischen November und März zu buchen. Dies war bei meiner zweimonatigen Winterreise 2014/2015 noch nicht der Fall und man musste etwas flexibel sein. Die Fähre ist prinzipiell das ganze Jahr unterwegs, aber in den Wintermonaten ist das Meer natürlich deutlich stürmischer. Aus Sicherheitsgründen behält sich die Reederei natürlich das Recht vor, die Überfahrt auf den Färöer Inseln zu unterbrechen, falls das Wetter einmal wirklich unzumutbar für Mensch und Maschine werden sollte und auch bei den Abfahrtszeiten können wetterbedingte Verzögerungen auftreten. Das ist alles auch im Detail in den Reisebedingungen nachzulesen.

Nordlichter über der M/S Norröna in Island

Ein Fazit fällt mir bei der Fähre dennoch immer wieder sehr leicht: ich kann sie jedem nur ans Herz legen, der sein eigenes Auto mit nach Island nehmen möchte oder auch sonst eine interessante Alternative zum Flugreisen sucht.

Zum dänischen Fährhafen nach Hirtshals kann man mit der Bahn relativ gut anreisen – nur im isländischen Seyðisfjörður ist die Weiterreise ohne Auto nicht mehr ganz so unproblematisch. Aber auch dort gibt es ein öffentliches Bussystem und zudem gute Chancen, per Anhalter über den Bergpass zum nächstgelegenen Ort Egilsstaðir zu gelangen, welcher an der gut frequentierten Ringstraße liegt. Der Pass ist im Winter oder generell bei schlechtem Wetter nicht ganz ungefährlich und man sollte hier ein wenig zeitlichen Puffer einplanen bzw. die lokale Wetterseite und Straßenkarte im Auge behalten. Es lohnt sich aber definitiv auch, die erste oder letzte Nacht in Seyðisfjörður zu verbringen – ein malerischer und bunter Ort, mit viel Kultur, Kunst und gutem Essen.

Ich freue mich schon auf die nächste Reise. Vielleicht schon in 2017 …

M/S Norröna in Island im Winter

Zur Website von Smyril Line Mein Fotografie-Portfolio (Island und Färöer)

Fotos: Eigene Motive (Northlandscapes) und Smyril Line – Presse

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  1. Hi Jan Erik, danke für die Empfehlung. Darf man fragen, was du Ende Oktober bezahlt hast? Bist du ohne Auto gereist? Viele Grüße, Elke P.S.: Welche Art von Musik gibt es im Saga Café?

    • Hallo Elke! Ich bin Ende Oktober mit Wohnwagengespann zurück – hatte aber einen Special-Preis, der deutlich unter der Hinfahrt in April lag. Habe 695 EUR für 1 Person im 4-Bettkabine (Innen) und Wohnwagengespann mit 11 Metern bezahlt. Mahlzeiten hatte ich keine vorab gebucht. Im April kostete das ohne Special 1,144 EUR.

      PS: Im Saga Cafe laufen entweder gute gespielte Oldies oder ein wenig Singer-Songwriter-Musik. Meistens jüngere Kerle mit Gitarre aus Island oder den Färöern.

      • Das klingt gut! 😊 Danke dir! Ich überlege, mit meiner Acadiane die Tour zu machen, sie ist nicht ganz so lang (das Auto meine ich). Die Planung geht eher nach 2018. Hab mich schon mal für den Newsletter angemeldet. Bislang bin ich geflogen, aber vom Wasser aus ist es immer schön! LG, Elke

  2. Wow! Einfach nur WOW!!!! …So tolle Bilder! …wir fahren im Mai 3 Wochen nach Dänemark – eigentlich… vielleicht verkürzen wir auch auf 1 Woche und nehmen die anderen 2 für eine Fahrt nach Island. Dein Bericht erweckt den Eindruck als würde es sich auf jeden Fall lohnen! 🙂 Ich meine Dänemark ist toll aber da waren wir auch schon drei Mal – Island wäre nue. Ich habe ein tolles Häuschen gebucht, das, wie es das Schicksal so will, im Nord-Westen Dänemarks liegt…das schreit ja quasi nach einer Überfahrt. 😉

    Danke dir in jedem Fall für die Anregung!

    LG
    Susa

  3. Danke für deinen hilfreichen Kommentar bzw. deine Beschreibung. Sind heute wieder in Hirtshals angekommen, nach einer Woche Island, und kann die Fähre nur wärmstens empfehlen. Wir hatten sogar den Luxus einer Doppelbett-Aussenkabine 😊.
    Bester Gruss, Heidi aus Wien

  4. Jacobsen

    Hallo Jan Erik,
    wir wollen im Sommer 2018 nach Island mit unserem ausgebauten LT. Kann man auf den Färörer Inseln, das Auto von der Fähre runternehmen für den Aufenthalt auf den Färörer Inseln? Danke für deine Antwort und deine tollen Erfahrungsberichte. Gruß Swantje & Axel

    • Hallo Swantje & Axel, ihr habt in der Regel wenig Zeit – aber grundsätzlich dürfte das gehen, da besagte Busunternehmen das auch machen. Aber fragt lieber noch einmal direkt bei Smyril Line nach. Die antworten sehr flott: info@smyrilline.de

  5. Hallo Jan Erik,
    ich bin zufällig auf Deinen Blog gestoßen, da Du über die Fähre und die Kabine geschrieben hast. Ich möchte im August 2018 nach Island mit dem Motorrad reisen. Ich überlege, mir ein Bett im Liegeabteil zu buchen. Es ist die günstigste Variante und ähnlich (un-)komfortabel, wie später im Zelt. Ich hätte da mal ein Frage: Wo deponiere ich meine Sachen, also Jacke, Hose, Stiefel usw. und kannst Du was zu den Schließfächern sagen?
    Ich würde mich sehr freuen, was von Dir zu hören.
    LG
    Mario

    • Hallo Mario. Es gibt hierfür Schließfächer in den Gängen, nur kosten die jedesmal wenn man die öffnet wieder Geld; ist also nur eine Lösung für Sachen, die man nicht täglich braucht. Ich habe die meisten Wertsachen dann mit rumgeschleppt und nachts auf meinem Bett neben dem Kopfkissen deponiert. Die günstigste Schlaflösung ist leider aber meistens auch die Lösung mit dem wenigsten Schlaf. Aber auch in den 4er Kabinen hatte ich schon mehrfach Pech mit SEHR laut schnarchenden Menschen

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