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Camping in Island mit Fahrzeug oder Zelt – Eine Übersicht zur Reiseplanung

Camping in Island

Wenn man ein halbes Jahr mit dem Wohnwagen rund um Island reist, bekommt man doch einen recht umfassenden Überblick, wie Camping in Island funktioniert und was die Besonderheiten sind.

Grundsätzlich ist es doch eine etwas andere Erfahrung, als auf dem europäischen Festland und in diesem Beitrag möchte ich dir eine kleine Übersicht geben, damit du deinen Campingurlaub mit dem Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt besser planen kannst. Alle hier erwähnten Tipps und Erfahrungen beziehen sich auf das Campen außerhalb des Hochlandes und auf Campingplätze, die mit einem normalen Fahrzeug gut zu erreichen sind.

Wenn du weitere Fragen hast, beantworte ich diese gerne im Kommentarbereich, damit auch andere Besucher davon profitieren können.

Inhaltsübersicht

Ausstattung

Die Plätze sind überwiegend sehr einfach und zweckmäßig gehalten und werden vielerorts von der Kommune oder einem angrenzenden Nationalpark verwaltet. Kleine Campingplätze sind oft an Hotels oder Gästehäuser angeschlossen. Leider können viele Campingplätze von ihrer Infrastruktur mit der rasant wachsenden Touristenzahl nicht ganz mithalten und es fehlt oft an Duschen (dafür meist kostenlos) und Toiletten. Auch das Thema Sauberkeit lässt mancherorts leider etwas zu wünschen übrig. Grundsätzlich sind aber die Campingplätze in stadtnähe deutlich besser ausgestattet und hier findet man in der Regel auch immer eine kleine Küche, Aufenthaltsraum sowie Waschmaschine samt Trockner vor. Allerdings hat nicht jeder Campingplatz eine Entleerungsstation für Chemietoiletten – hier sollte man sich ebenfalls vorher informieren. Auch in Reykjavik liegt diese beispielsweise außerhalb in einem angrenzenden Industriegebiet. Selbstverständlich gibt es auch absolut vorbildliche Campingplätze und besonders hervorheben möchte ich hier den Campingplatz Hamrar in Akureyri und den Campingplatz Tungudalur in Ísafjörður. Dort fiel mit der Abschied mit Abstand am schwersten.

Campingplatz im Skaftafell Nationalpark, Island

Kosten

Die Gebühren sind für das Gebotene im Allgemeinen doch eher hoch: Im Durchschnitt kostete eine Übernachtung im Sommer 2016 pro Person ca. 12 EUR (unabhängig von Zelt oder Wohnmobil/Wohnwagen) und für Elektrizität wurden pauschal ca. 6 EUR aufgerufen, was in Anbetracht der generell niedrigen Strompreise auf der Insel nicht gerade preiswert ist. Ebenfalls teuer ist die Benutzung von Waschmaschine und Trockner – hier waren meistens umgerechnet jeweils 6-7 EUR fällig und man braucht Münzgeld zu meist 100 ISK. Ansonsten kann man auf jedem Campingplatz mit Kreditkarte zahlen, wie man es in Island gewohnt ist und vielerorts bekommt man ab der zweiten oder dritten Nacht auch einen Rabatt oder eine kostenlose Nacht.

Geld sparen mit der CampingCard

CampingCardDeutlich günstiger lässt es sich mit Hilfe der isländischen „CampingCard“ übernachten. Diese kostet einmalig 110 EUR und berechtigt zu insgesamt 28 Übernachtungen für maximal zwei Erwachsene und bis zu vier Kindern (bis 16 Jahre). Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit Zelt, Wohnmobil oder Caravan unterwegs ist. Man hat die Auswahl aus derzeit 41 Campingplätzen, die sehr gut über die Insel verteilt sind. Das lohnt sich finanziell selbst bei 2 Personen schon bei einer Woche Campingurlaub. Lediglich Elektrizität, die isländische Tourismus-Abgabe in Höhe von ca. 1 EUR oder sonstige Zusatzleistungen sind nicht mit im Preis inbegriffen. Aber selbst mit Strom hatte ich dank CampingCard pro Monat durchschnittliche Übernachtungskosten von unter 300 EUR, was insgesamt sehr fair ist. Wer keinen Strom braucht kommt lediglich auf schlappe 5 EUR pro Nacht, wenn man einen vollen Monat ausnutzt. Die Karte kann man entweder online bestellen oder vor Ort in einem Postamt, 10/11-Supermarkt oder Tourismusbüro erwerben. Die teilnehmenden Campingplätze sind oftmals etwas außerhalb und manchmal auch sehr klein und besonders einige populäre Plätze sind nicht im CampingCard-Netzwerk vertreten. Hier hilft ein Blick auf die Website, auf der alle Campingplätze und deren Ausstattung verzeichnet sind.

Reservierungen und Anreise

Grundsätzlich hat man bis zum frühen Abend auf den meisten Plätzen eine relativ freie Platzwahl, da die meisten Gäste erst gegen Abend oder gerne auch mitten in der Nacht anreisen. Eine Reservierung ist in der Regel nicht notwendig bzw. auch nicht möglich, da es auch keine festen Parzellen gibt. Allerdings sind die elektrischen Anschlüsse auf einigen Plätzen begrenzt – vor allem auf stark besuchten Campingplatz wie dem in Reykjavik. Hier empfiehlt es sich nicht zu spät anzureisen, wenn man auf Strom angewiesen ist.

Saisonzeiten

Es gibt eine Auswahl an Campingplätzen, die ganzjährig geöffnet sind, wie beispielsweise Egilsstaðir, Akureyri oder mittlerweile auch der Campingplatz in Reykjavik. Die allermeisten Campingplätze öffnen (wetterabhängig) zwischen Mitte Mai und Anfang Juni und schließen zwischen Anfang und Ende September. Dies wird sich in den nächsten Jahren sicherlich verbessern, da immer mehr Camper auch im Oktober oder schon im Frühjahr unterwegs sind und die Nachfrage definitiv vorhanden ist. Auf einigen Campingplätzen kann man aber auf Nachfrage auch außerhalb der Saison übernachten. Die sanitären Einrichtungen stehen dann aber meistens nicht zur Verfügung.

Wintercamping in Island

Das Leben auf dem Campingplatz

Allgemein herrscht meistens ein ziemlich buntes Treiben und für die allermeisten Reisenden ist es eben nur eine zweckmäßige Übernachtung und kein gemütlicher und entspannter Teil des Urlaubs. Das sollte einem vorher bewusst sein und wer ein wenig seine Ruhe sucht, sollte sich möglichst einen Platz suchen, der weit entfernt von den sanitären Einrichtungen und dem Aufenthaltsraum liegt. An das laute Zuschlagen von Schiebetüren sollte man sich besser auch schnell gewöhnen, da hier viele Kleintransporter unterwegs sind, die als einfache Campingfahrzeuge umgebaut sind. Das Thema Nachtruhe ist zur Hauptsaison mehr oder weniger nur ein „theoretischer Orientierungswert“. Platzwarte gibt es meistens nicht und die Rezeption ist auf kleineren Plätzen oft nur morgens und abends besetzt.

Vor allen im Juni und Juli gesellen sich noch viele Isländer dazu, die leidenschaftlich gerne Campen und meistens mit mehreren Generationen samt Hund und riesigem Gasgrill anrücken. Da kann man durchaus lustige Bekanntschaften machen und es ist ordentlich was los. Unter den Isländern sind zudem die Faltcaravans noch sehr populär und durchaus zweckmäßig, da man hier doch häufig mit heftigem Wind zu kämpfen hat, was man besonders bei der Nutzung eines Dachzeltes einplanen sollte.

Internet

WLAN gab es nur auf ungefähr der Hälfte aller Plätze, die ich besucht habe. Meistens auch nur in der Nähe des Aufenthaltsraums/Küche. Allerdings war das Handynetz eigentlich überall vorbildlich ausgebaut, so dass man problemlos auf das 3G/4G-Netz ausweichen kann, wenn man auf Internet angewiesen ist. Hier bietet beispielsweise der Mobilfunkanbieter „Síminn“ sehr günstige Prepaid-Konditionen und das Aufladen von Guthaben ist absolut simpel und über eine englischsprachige Website möglich: siminn.is/topup. Ich hatte einen Tarif mit 50 GB gewählt, der für 30 Tage gültig ist und gerade einmal 5.300 Kronen kostet, d.h. umgerechnet ca. 40 EUR. Damit komme ich selbst als digitaler Nomade mit meiner täglichen Arbeit als Fotograf und Webdesigner einen knappen Monat aus, wenn man ein wenig auf die Nutzung achtet und umfangreiche Updates oder Online-Datensicherungen auf die nächste Tankstelle mit kostenlosem WLAN verschiebt. Auch nicht vergessen, die automatischen Updates auf dem Smartphone zu deaktivieren, da hier manche Apps teilweise mehrere hundert MB groß sind! Die SIM-Karten gibt es zudem an den meisten N1-Tankstellen zu kaufen und man muss sich auch nicht registrieren. Es gibt auch noch günstigere Tarife von beispielsweise Vodafone, aber die beste Netzabdeckung hat nach aktuellem Stand immer noch Síminn und das war mir am wichtigstem.

Wildcampen

Seit Mitte 2016 ist das wilde Campen in Island ganz offiziell nicht mehr erlaubt, wird aber in einigen Gegenden noch geduldet, wenn man sich ordentlich verhält und nicht gerade direkt neben der Einfahrt eines Campingplatzes oder im Blumenbeet eines Einheimischen sein Nachtlager aufschlägt … Entgegen eines weit verbreiteten Irrtums gibt (und gab) es in Island kein Jedermannsrecht – dies trifft nur auf Finnland, Norwegen und Schweden zu und auch dort gibt es mittlerweile einige Einschränkungen.

Campingplatzverzeichnis

Etwas schwierig gestaltet sich teilweise die Recherche nach Campingplätzen, da die offiziellen Verzeichnisse der Touristikbüros nicht immer ganz vollständig waren – manchmal fehlte ein Platz in der Liste oder es warten Orte mit falschen Angaben verzeichnet bzw. existierten nicht mehr. Prinzipiell sind die Seiten aber die beste Anlaufstelle für eine Übersicht und haben auch eine praktische Google-Karte. Man muss hier insgesamt vier Lesezeichen setzen, da es in Nord-, Süd-, Ost– und West-Island gegliedert ist. Etwas detaillierter, aber nicht so komfortabel zu bedienen, ist das Verzeichnis Tjalda. Hier gibt es zudem auch eine praktische Liste mit den ganzjährig geöffneten Plätzen. Sämtliche deutschsprachigen Campingverzeichnisse wie beispielsweise camping.info kann ich für Island nur eingeschränkt empfehlen, da hier viele Informationen unvollständig oder veraltet waren. 

Campingplatz Tungudalur in Ísafjörður, Island

Allgemein ist das Übernachten auf Campingplätzen in Island eine sehr unkomplizierte Angelegenheit und im direkten Vergleich zu Deutschland mit sehr wenigen Regeln und Auflagen verbunden.

Leider sieht man das an manchen Orten auch in punkto Mülltrennung oder Schmutzwasserentsorgung sehr locker … Wer entspannten Urlaub machen möchte und eher seine Ruhe sucht, sollte sich vorher aber ein wenig genauer informieren oder nach Möglichkeit sich den Platz vor Ort anschauen. An vielen Orten gibt es auch mehrere Campingplätze, so dass man in der Hauptsaison immer noch auf eine Ausweichmöglichkeit hat. Man kommt generell sehr schnell mit anderen Reisenden ins Gespräch, aber die meisten Gäste bleiben nur für eine Nacht und ziehen früh morgens weiter. Wer (wie ich) tendenziell eher zu den Spätaufstehern zählt, findet ab 10 Uhr oftmals wieder einen relativ leeren Platz vor.

Camping unter den Nordlichtern

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  1. Hallo,
    ich habe mal eine Fragen zum länger stehen auf Campingplätzen mit der CampingCard. In den Nutzungsbedingungen steht ja das man nur „bis zu vier aufeinander folgenden Tagen auf dem jeweiligen Campingplatz“ bleiben darf.
    Wird das wirklich so gehandhabt? Muss man dann normal bezahlen?
    Wir sind nächstes Jahr fast 4 Monate mit dem Wohnwagen dort und werden sicher hier und dort länger als 4 Tage sein.
    Grüße
    Volker

    • Hallo Volker, das wurde sehr unterschiedlich gehandhabt. In Vik zum Beispiel hat es niemanden interessiert (bzw. mir schien es, als wussten die überhaupt nichts von den vier Tagen). An anderen Campingplätzen habe ich nach den vier CampingCard-Tagen eine reguläre Nacht gezahlt und dann wieder vier CampingCard Tage „abstempeln“ lassen. Generell war es aber relativ locker bzw. man kann oftmals auch mit den Betreibern reden und fragen, ob man einen besonderen Deal bekommt, falls man länger bleibt, da 99% aller Leute doch nur eine Nacht bleiben. Ich habe insgesamt 2 CampingCards komplett aufgebraucht und hätte sogar noch eine halbe brauchen können. Leider sind es eben manchmal ein paar sehr einfache Campingplätze, die bei der CampingCard teilnehmen – da vorher eben gut recherchieren, dass man realistische Erwartungen hat. Grüße Jan

  2. Hallo Jan Erik,
    danke für die ausführliche Antwort. So ähnlich habe ich es schon vermutet- meistens sind die Isländer ja auch recht entspannt was Regelungen angeht und wenn man fragt ist einiges möglich. Letzes Jahr waren wir insgesamt 7 Wochen campen, aber eben meistens nur 2 oder 3 Tag einem Platz, weil wir auch immer der Sonne nachgefahren sind – so das wir unser Zelt fast nie nass einpacken mussten. Mit dem Wohnwagen nächstes Jahr wird das einfacher.

    Ich hätte aber noch eine Frage. Das Thema Gas-Versorgung. Wie hast du das geregelt?
    Grüße
    Volker

    • Ja, da würde ich mir allgemein wenig Gedanken machen.

      Hinsichtlich Gas gibt es auf alle Fälle in Akureyri und in Reykjavik N1-Stores (also nicht die Tankstellen, siehe hier: https://www.n1.is/en/locations/#category=Verslun;), welche deutsche 11kg Gasflaschen tauschen. Mir hat das gereicht, da ich zwei Stück an Bord hatte und die eigentlich nur zum Kochen genutzt habe. Wasser geht elektrisch bei mir und wenn ich mal heizen musste, dann hatte ich auch die Elektro-Zusatzheizung genutzt. Bei einer Pauschale von 6-7 EUR muss man da auch kein schlechtes Gewissen haben. Anscheinend tauscht auch die N1-Tankstelle in Egilsstadir mittlerweile deutsche Flaschen, das habe ich aber nicht überprüft. Hier gibts noch mehr Infos: http://www.island-forum.com/index.php?page=Thread&postID=57859#post57859

  3. Hi,
    danke für die Infos.
    Ich denke auch das man immer eine Lösung findet – ich bin nur gerne gut vorbereitet. Ich habe mir sagen lassen das man Deutsche oft daran erkennt das sie überperfekt ausgerüstet sind – ich leide auch ein wenig an dieser Krankheit 😀
    Wenn ich für den Strom zahle dann nutze ich den meist auch (heizen und kochen).
    Was das Gas angeht ist es etwas komplizierter für mich weil ich einen Eriba Touring habe der einen sehr kleinen Gaskasten hat – normal passen da 2 5kg Flaschen rein, ich habe etwas gebastelt und nun geht da eine 11er und eine 5er rein. Die Gasflaschen in Island haben eigentlich alle den gleichen Durchmesser – 30cm, wie die Deutsche 11er. Von der Höhe her ist es bei der 11er knapp – welche Isländische rein geht ist fraglich und da bin ich froh wenn man auch ne Deutsche 11er bekommt – das macht es einfach.
    Grüße
    Volker

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